Altenbekener Löschzug feiert 90. Geburtstag und richtet Kreisverbandstag aus.

Bericht: Neue Westfälische von Sigurd Gringel und Andreas Götte.

Altenbeken: Mit ihren zum Teil historischen Uniformen und Werkzeugen boten gestern die vielen Feuerwehrmänner aus dem Kreisgebiet und angrenzenden Kreisen zusammen mit ihren Musikzügen ein imposantes Bild beim Festzug durch Altenbeken. Die gastgebende Wehr strahlte gleich doppelt mit der Sonne um die Wette - der Altenbekener Löschzug feiert sein 90-jähriges Bestehen. Nachdem die vielen Ehrengäste den Mut, die Professionalität und den hohen ehrenamtlichen Einsatz gewürdigt hatten, durften die Besucher auf dem Gelände an der Eggelandhalle ein bisschen hinter die Kulissen der Mannschaft mit den roten Autos schauen. Bei der großen Fahrzeugschau hatten vor allem die ganz jungen Gäste ihren Spaß. Sie kletterten ohne Scheu kurzerhand hinter das Lenkrad oder ließen sich die Ausstattung einmal etwas genauer erklären. Die Jugendfeuerwehr Altenbeken zeigte mit zwei Fahrzeugen eine Löschübung unter realistischen Bedingungen.

Während der Kreisverbandstagung zum Auftakt am Samstag nutzte Kreisbrandmeister Bernhard Lücke die Gunst der Stunde. Zwei Wochen vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen holte er zu einem Schlag gegen die schwarz-gelbe Landesregierung aus. Deren finanzielle Kürzungen machen dem erfahrenen Feuerwehrmann Sorgen. "Sparen an der Feuerwehr heißt Sparen an der Sicherheit der Bürger", wählte er während der Delegiertentagung der Feuerwehren in Altenbeken deutliche Worte. "Die Mannschaft steht prima da. Doch was ist mit den Geräten?", fragte er. Weiter kritisierte er die Reduzierung der Ausbildungslehrgänge.

Aus dem Kreis Paderborn konnten deutlich weniger Feuerwehrleute an Schulungen teilnehmen als benötigt. Die Anzahl der Führungskräfte werde laut Bernhard Lücke ständig abgebaut. "Diese Spirale macht mir Angst", sagte er. Sein Vorwurf, das Innenministerium des Landes verfolge einen ehrenamtsfeindlichen Kurs, wurde im Plenum mit Beifall quittiert. Doch es ging auch unpolitischer zu. Bernhard Lücke informierte über die Insolvenz des Landesfeuerwehrverbandes, die mit dem Bau eines Schulungs- und Erholungszentrums im Bergischen Land zusammenhängt. Um keine finanziellen Überraschungen befürchten zu müssen, sind sämtliche Feuerwehren, so auch der Kreisverband Paderborn, frühzeitig aus dem Landesverband ausgetreten. "Wir müssen uns aber organisieren", forderte der Kreisbrandmeister.

Die Delegierten folgten seinem Aufruf und stimmten einhellig dem Beitritt zum neuen Verband der Feuerwehren in NRW zu. So bleibt das Guthaben der Kreisfeuerwehr von rund 10.000 Euro, bei einem Plus von 2.600 Euro in 2009, sicher.

Bei den 489 Brandeinsätzen konnten 83 Menschen gerettet werden, drei Personen verstarben. Dabei machten die sogenannten Kleinbrände mit 317 die größte Menge aus, deutlich zugenommen haben jedoch die Mittelbrände (zum Beispiel Gebäude). Elektrizität ist mittlerweile die häufigste bekannte Brandursache. Die technische Hilfe erreichte mit 1.895 Einsätzen das Vorjahresniveau. Die Schadenshöhe im Kreisgebiet hat sich um rund ein Drittel auf knapp sechs Millionen reduziert. Zudem erinnerte Bernhard Lücke an den schrecklichen Karfreitagsunfall 2009 in Paderborn, bei dem unter anderem ein Feuerwehrmann ums Leben kam.

Fotos: Martin Lauth, mb

Bericht: Westfälisches Volksblatt

Feuerwehr fühlt sich von Düsseldorf im Stich gelassen - Regierung droht Brandmeistern

Von Karl Pickhardt (Text und Fotos)

Kreis Paderborn/Altenbeken (WV). Zwei Wochen vor der Landtagswahl hat die Führungsspitze der Kreisfeuerwehr Paderborn Innenminister Ingo Wolf (FDP) in ungewohnter Schärfe angegriffen. Die Wehr wirft dem Innenministerium in Düsseldorf eine feuerwehrfeindliche Haltung vor.»Die Landesregierung versucht mit aller Gewalt, das Ehrenamt platt zu machen«, sagte Kreisbrandmeister Bernhard Lücke (57) am Wochenende beim Kreisverbandstag der Feuerwehr in Altenbeken. Die Stimmung gegenüber der Landesregierung hat in der Feuerwehr im Kreis Paderborn offenbar einen Tiefpunkt erreicht. Kreisbrandmeister Lücke, Chef von kreisweit 2620 aktiven Feuerwehrkräften, spricht bereits von einem Flächenbrand: Die Wehren fühlen sich in der Ausrüstung und in der Ausbildung von Düsseldorf im Stich gelassen. »Kein freiwilliger Feuerwehrmann ist bereit, das Wappen dieses Landes Nordrhein-Westfalen zu tragen«, schimpfte der Feuerwehrchef: »Ein Armutszeugnis für unser Land«.

Der Zorn der Paderborner Feuerwehrspitze wird offenbar auch in allen übrigen Kreisen in Ostwestfalen-Lippe geteilt. Sämtliche OWL-Kreisbrandmeister haben in einer Resolution an das Innenministerium auf Missstände hingewiesen. Sie erhielten nach Angaben von Bernhard Lücke (Fürstenberg) auch nach vier Wochen noch nicht einmal eine Antwort. In einer ersten Reaktion habe das Innenministerium mit Disziplinarmaßnahmen gedroht, falls ein Kreisbrandmeister diese Resolution unterschreibe. Alle haben dennoch unterzeichnet.Die Ausbildung von Führungskräften bleibe in der Feuerwehr auf der Strecke, weil das Innenministerium immer weniger Lehrgänge zur Verfügung stelle. Statt benötigter 40 Lehrgänge für Brandmeister seien Paderborn nur 26, statt 15 geforderter Zugführer-Kurse lediglich sechs bewilligt worden. Lücke: »In jedem Jahr wird die Anzahl der Führungskräfte abgebaut und dadurch die Belastung der verbleibenden erhöht. Diese Spirale macht mir Angst.« Das Land decke nur noch 60 Prozent der benötigten Ausbildungslehrgänge ab.Kreisbrandmeister Lücke verfügt über Informationen, wonach Düsseldorf den Bezirksbrandmeister vollends abschaffen und gleichzeitig die Kreisbrandmeister hauptberuflich einstellen wolle - finanziert aus der Feuerschutzsteuer zu Lasten der Kommunen. »Diese Kreisbrandmeister kann man direkt von Düsseldorf aus als Marionetten tanzen lassen«, kritisierte Lücke.

In der Kreisfeuerwehr sitzt der Schock über den Karfreitagunfall 2009 in Paderborn mit vier Toten immer noch tief. Auch ein Paderborner Feuerwehrmann war dabei im Alter von 48 Jahren ums Leben gekommen. Die Feuerwehr ist entsetzt, dass die Versorgung der Familie des getöteten Feuerwehrmannes trotz des Dienstunfalles nur unzureichend gesichert sei. Kreisbrandmeister Bernhard Lücke forderte die Politik dringend auf, Versorgungslücken zu schließen.

Die Feuerwehren im Kreis Paderborn haben im vergangenen Jahr 489 Brände (darunter 34 Großfeuer) bekämpft. Dabei sind 83 Personen gerettet worden. Drei Menschen kamen bei Bränden ums Leben. Bei 589 Verkehrsunfällen war die Feuerwehr zur Stelle. Dabei konnten 29 Menschen nur noch tot geborgen werden.

Der Kreisverbandstag, der aus Anlass des 90. Geburtstags der Egge-Wehr in Altenbeken stattfand, beschloss am Samstag einstimmig den Beitritt zum neuen Verband der Feuerwehren in NRW. Zugleich tritt die Paderborner Wehr aus dem Landesfeuerwehrverband aus, der nach finanziellen Schieflagen beim Bau eines Feuerwehrerholungsheimes Insolvenz anmelden musste. Die Kassenlage im Kreisverband sieht günstiger aus: Schatzmeister Dr. Alexander Donschen aus Leiberg meldete für 2009 einen Überschuss von 2630 Euro: »Wir stehen besser als der Landesverband und besser als die Griechen da», sagte Donschen.

Beim Kreisfeuerwehr verbandstag in Altenbeken haben am Wochenende der ehemalige Lichtenauer Wehrführer Stefan Otto (3. von rechts) sowie Josef Lütkemeyer (4. von rechts) aus Schwaney und Peter Höller (4. von links) aus Buke für besondere Leistungen das Feuerwehrehrenzeichen in Silber erhalten. Die Feuerwehr-Ehrenmedaille wurde in Abwesenheit an Ortwin Schneider (Delbrück) von der Autobahnpolizei verliehen. Eine Urkunde für Verdienste im Feuerschutzwesen erhielten Ludwig Schenk (2. von links) aus Schwaney und Jörg Claes (3. von links) aus Bad Lippspringe. Den Ausgezeichneten gratulieren Bezirksbrandmeister Reinhard Fehr (links) aus Brakel-Auenhausen sowie Kreisbandmeister Bernhard Lücke (2. von rechts) aus Fürstenberg und Vize-Kreisbrandmeister Elmar Keuter (rechts) aus Buke.

Kreis Paderborn/Altenbeken (pic). Die Feuerwehr muss immer sofort Entscheidungen treffen, während sich Politiker oft unerträglich viel Zeit lassen. Daher sollten sich Politiker die Feuerwehr zum Vorbild nehmen. Diesen Rat hat gestern Nachmittag Bundestagsabgeordneter Dr. Carsten Linnemann (CDU) als Festredner beim Kreisfeuerwehrfest in Altenbeken seinen Berufskollegen erteilt. Nach dem Festmarsch mit 1000 Feuerwehrkräften, Musikern und anderen Hilfsorganisationen durch Altenbeken lobte der Festredner das hohe ehrenamtliche Engagement der Feuerwehren im Kreis Paderborn.

In Krisenzeiten riefen viele Menschen nach dem Staat. »Aber dem Ehrenamt hat der Staat nie geholfen, weil Ehrenamt unbezahlbar ist«, sagte Linnemann.

Die Festzugteilnehmer wurden auf ihrem Marsch vom Driburger Grund zur Eggelandhalle von Höhenrettern der Feuerwehr in luftiger Höhe in Empfang genommen: Vier Feuerwehrmänner seilten sich an ausgefahrenen Drehleitern über den Köpfen der Festzugteilnehmer ab.Viel Lob erntete gestern auch der Löschzug Altenbeken, der zum 90. Geburtstag Verbandstag und Kreisfeuerwehrfest ausgerichtet hat. Besonders auffällig war die große Teilnahme der Jugendwehren. Die Kreisfeuerwehr Paderborn verzeichnet steigende Mitgliederzahlen in der Jugendwehr, die kreisweit auf 552 Mädchen und Jungen angewachsen ist.

Die nächsten Kreisverbandstage finden im Mai 2011 in Dahl und 2012 in Haaren statt. Das hat der Verbandstag am Samstag beschlossen, weil in den beiden Orten in den nächsten Jahren Jubiläen anstehen. Für 2013 hat sich Bad Lippspringe beworben.