Delbrücker Modell steht auf der Kippe - Stadt zahlt bisher allein für den Einsatzwagen
Bericht: Stadtanzeiger Delbrück
Delbrück(er). Das wird noch spannend: Die Stadt Delbrück verhandelt mit dem Kreis in Sachen Rettungsdienst - wieder einmal. Denn Delbrück will endlich eine Absicherung für den einzigen Notarztwagen im Stadtgebiet. Und sie will ihn nicht mehr allein finanzieren. Der Hintergrund: Delbrück bezahlt die Kosten für den Notarztwagen, der in Westernholz bei Dr. Johannes Fahl stationiert ist - eine Situation, die im Kreis einmalig ist.
In den vergangenen vier Jahren hat die Stadt für das Notarztsys-tem über 100.000 Euro aus eigener Tasche hingeblättert, obwohl eigentlich der Kreis für derartige Kosten zuständig ist. Der holt sie sich nämlich von den Krankenkassen zurück. Voraussetzung ist allerdings, dass die Kassen das jeweilige Rettungssystem anerkennen.
Dafür stellt der Kreis einen Rettungsdienst-Bedarfsplan auf.
Und an dem stießen sich die Delbrücker schon vor Jahren. Als der Kreis 2008 Delbrück aus Sicht der Delbrücker unterversorgt ließ, machte die Stadt Nägel mit Köpfen. CDU-Fraktionsvorsitzender Meinolf Päsch, damals Mit-Initiator der Aktion Notarztwache, erinnert sich: „Damals wurde uns quasi ein halber Notarzt zugebilligt - auf dem Papier im Bedarfsplan des Kreises festgeschrieben, in der Praxis aber von uns bezahlt.“
Auf die gleiche Art sorgte die Stadt für einen zweiten Rettungswagen auf Delbrücker Gebiet. Den lässt sie sich seither 5.000 pro Jahr kosten. Beides wurde vertraglich abgesichert. Doch diese Vereinbarungen endeten am 31. Dezember. Der Kreis überarbeitet seinen Bedarfsplan gerade neu.
Für Delbrück stehen also zwei wichtige Bausteine der Notfall-Versorgung wieder auf dem Prüfstand. Bürgermeister Werner Peitz und die Fraktionen verhandeln zur Zeit mit der Kreisspitze. Mit welchen Erwartungen die Stadt in die Verhandlungsrunden geht, hat ein Ratsbeschluss vom letzten November festgeklopft: Die Stadt will Notarzt und Rettungswagen im Bedarfsplan abgesichert wissen. Vom Kreis könne „verlangt werden, die Kosten für den Betrieb des zweiten Rettungswagens und des Notarzteinsatzfahrzeugs in vollem Umfang zu tragen“, heißt es in der Sitzungsvorlage. Päsch untermauert diese Erwartung: Notarzt und Rettungsdienst gehören für ihn „zum Delbrücker Land wie der schiefe Kirchturm“.
Gründe für diesen Kurs glaubt die Stadt ausreichend zu haben. Denn der „halbe“ Notarzt hat sich in der Praxis der letzten Jahre notgedrungen als ganzer entpuppt:
Die Einsatzzahlen pendeln zwischen 700 und 800 im Jahr - deutlich mehr, als von einer teilbesetzten Notarztwache zu erwarten. Gleiches gilt für den Rettungswagen.
Mit dem Kreis zeichnet sich angeblich eine Übergangslösung ab. Die muss aber noch mit den Krankenkassen abgeklopft werden. Bis dahin wahren Stadt und Kreis Stillschweigen über Details.


